Mittwoch, 5. August 2009

Herz und Hirn

Brausend, wispernd, kühlend, schlagend; windend mich die Wellen tragend.
Freuend, glitzernd, blauverschwommen; dacht ich, ich wär ihn’n entkommen.
Auf und ab im berg’ gen Gang, ihr summend rauschend Lied erklang.
In dieser Fülle, in den Weiten – Fleisch und Geist sich jäh entzweiten.
Treiben nun getrennt von dannen; beide boten sich die Stirn,
Dieser Streit von Herz und Hirn -
Zerfetzt durch einen kleinen Zwist,
Wer bei zweien Zweiter ist.
Ach! noch eh‘ sie sich besannen,
hört ‘s gelöst Herz auf zu schlagen.
Fängt’s Hirn zu ersaufen an.
Beide starben mit den Fragen:
Ist man gemeinsam
besser

dran

?

Auf den Kopf spucken

Man müsste sich auf den Kopf spucken können oder aber einfach mal in jemand Anderes schlüpfen, um sich dann selbst eine Ohrfeige geben zu können.
Es gibt diese seltenen Momente, diese seltenen Momente, die ewig dauern und in denen nichts passieren darf: Man will, dass das Weinglas nicht leerer wird – die Zigarette sich nicht von alleine verbraucht.
Dann verzehrt sich alles in einem. Wenn es möglich wäre, würde man die Hände altern lassen, die Gelenke würden krachen und Adern dehnten sich aus. Die Haare sollten einem ausfallen – alle im selben Moment, die Haut splittert ab und das rohe Fleisch würde pulsieren … und doch sitzt man nur da.
Listen will man schreiben, mit all den Dingen, die doch so schön sind – und kaum dass der Stift angesetzt ist, will man nur noch ein Haus anzünden, um ein grelles Feuer zu haben, das stark genug ist, jede einzelne herzlose Zeile zu malträtieren.
Brenne, brenne, verdammt noch mal, brenn!

Und nach diesem leidenschaftlichen Funken will man nur noch auf die graue Raufasertapete starren.
Es wird schon werden.
Es muss ja.

Sonntag, 5. Juli 2009

Lichterfalter

Zärtlich blass ist er am Schweben,
Flatternd seine Flügel hebend
torkelt er mit leichtem Beben
seinem Ende schon entgegen.

Dunkel drückt die Nacht herein,
kein Sternchen will am Himmel sein.
Alles schwarz, kein Katzengrau,
Kein Gebelle, kein Miau.

Doch ein Funke ist am Glimmen,
sieht man durch das Dunkel schwimmen.
Nun geschwind, du kleiner Falter
Und im größten Eifer knallt er
Gegen dieses lichte Leuchten,
schreckt zurück und ist am Keuchen.

Vor dem Licht will er nicht scheuen -
Brennend wird er das bereuen.
Und mit größter Gottesbitte,
Schwebt er in die Kerzenmitte.

Unendlich sind die heißen Qualen,
Doch schöner noch das heilig Strahlen.
Als Motte wird er nur benannt,
der in dem Hell sein Dunkel fand.

Folgte nur dem hellen Schein,
wollte Lichterfalter sein.

Ein neues Semester

Endlich beginnt das zweite Semester, endlich gehört man nicht mehr zu den Eiern, sondern zu den wahrlich angesehen Akademikerküken.
Sprich, man verläuft sich nur noch halb so oft und stellt fest, dass man ganz andere Probleme bewältigen muss … So zum Beispiel ist man gezwungen, eine Lösung dafür zu finden, dass eine Woche, leider Gottes, nun mal nur aus sieben Tagen besteht … why ever …
Als junger, engagierter Vollzeitstudent fühlt man sich doch dazu verpflichtet, soviel Wissen abzugreifen, wie es einem möglich ist; ohne dabei die anderen Pflichten (wie zum Beispiel die Rolle des Stammgastes im Lieblingscafé zu erarbeiten oder die Fähigkeiten im Drehen von stylischen Zigaretten zu verbessern) zu vernachlässigen. Ein Kampf gegen Windmühlen.

Ich für meinen Teil habe erwartet, dass im Studium alles anders wird – so wie ich auch immer erwarte, dass beim nächsten Friseurbesuch alles anders wird. Wobei ich dann doch jedes Mal feststellen muss, dass meine Haare denen meiner Mutter immer ähnlicher werden – aber nein, irgendwie bleibt alles beim Alten. Die coolen Studenten kommen zu spät und sitzen in der letzen Reihe, die Streber ganz weit vorne beim Professor und haben schon ihren wohlgeübten Wortmeldungsarm, den sie noch aus Schulzeiten aufbewahrt hatten, wieder hervorgeholt und fragen ausschließlich Fragen zum nächsten oder übernächstes Kapitel des behandelten Stoffes … an dieser Stelle ein Hinweis: Falls ihr ab und an ein furchtbares Stechen im Nacken fühlt, während ihr wieder gekonnt allen beweist, dass ihr auch ohne Freunde ein erfülltes Leben haben könnt, dann ist das keine Einbildung, sondern der materialisierte Schmerz, der sich euch aus allen entnervten Blicken entgegen schleudert.
Nun denn, all ihr Küken - auf auf in den Kampf!